Bewerber erscheinen nicht zum BewerbungsgesprĂ€ch oder schicken Ihre VertrĂ€ge nicht zurĂŒck oder Bewerber sind in einem Prozess und plötzlich nicht mehr erreichbar. Einfach weg, abgetaucht, keine Reaktion, Es gibt aber auch auf Kundenseite Defizite. Kein Feedback zu Unterlagen, TerminvorschlĂ€ge dauern ewig, da man mit so vielen anderen Themen beschĂ€ftigt ist oder man sich doch nicht sicher ist, ob die Stelle besetzt, werden soll oder nicht. Was ist denn aus dem Wort âVerbindlichkeitâ geworden?
Warum passiert das immer öfter ..đ€
Ghosting: Der abrupte Abbruch von Kontakt und Kommunikation ohne Vorwarnung
Ghosting beschrĂ€nkt sich nicht nur auf das Dating â auch im beruflichen Umfeld wird es zunehmend zum Thema.
FrĂŒher warteten Bewerber auf RĂŒckmeldungen von Unternehmen. Heute sieht die RealitĂ€t oft anders aus. Selbst nach mĂŒndlichen Zusagen oder sogar bei einem unterschriebenen Vertrag kann es vorkommen, dass Bewerber plötzlich verschwinden und wochenlang nicht erreichbar sind. Manchmal erscheinen sie nicht zu vereinbarten Terminen, ohne sich abzumelden, oder tauchen am ersten Arbeitstag einfach nicht auf. Auch die allgemeine Erreichbarkeit wird immer unzuverlĂ€ssiger. Es scheint, als wĂ€re der Leitspruch: „Ich bin dann mal weg.“
Warum passiert das hĂ€ufiger? đ€
Möglicherweise testen Bewerber ihren Marktwert oder verhandeln mit anderen Angeboten um ein besseres Gehalt. Die GrĂŒnde fĂŒr dieses Verhalten sind vielfĂ€ltig. Ghosting hat oft zwei Seiten: Arbeitgeber könnten dazu angehalten werden, ihre Angestellten mehr zu befragen und die AttraktivitĂ€t ihrer GehĂ€lter zu ĂŒberprĂŒfen. Es könnte auch ein Zeichen dafĂŒr sein, dass der Bewerbungsprozess an sich verbesserungswĂŒrdig ist.
Ein Bewerber könnte sich von Beginn an unwohl fĂŒhlen, als wĂŒrde er einem Verhör ausgesetzt sein. Fehlende WertschĂ€tzung und ein Mangel an Kommunikation auf Augenhöhe können ebenfalls dazu fĂŒhren, dass sich die Erwartungen nicht erfĂŒllen. Die tatsĂ€chliche Unternehmenskultur entspricht möglicherweise nicht dem, was in der Stellenanzeige versprochen wird.
Was bleibt?
Vertrauensverlust und Frustration â zukĂŒnftige Bewerber werden dann kritischer sein. Es stellt sich die Frage: Wie kann ich Kandidaten begeistern? Warum sollte jemand den Job wechseln?
Was können Unternehmen tun?
Um attraktiv zu bleiben, sollten sie WertschĂ€tzung zeigen, leistungsgerechte GehĂ€lter bieten, ein faires Miteinander fördern und interne Mitarbeiter unterstĂŒtzen und entwickeln. Zudem sollten sie nach echten Menschen suchen und nicht nach der „eierlegenden Wollmilchsau“, was ein hĂ€ufiger Wunsch ist.
Versuchen Sie, den Prozess nicht unnötig in die LĂ€nge zu ziehen. Kandidaten sind am Anfang begeistert – dauert es zu lange, nimmt auch die Begeisterung ab. Zeigen auch Sie als Kunde, wie toll ihr Unternehmen ist. Man kann nicht nur von den Kandidaten verlangen, dass diese fĂŒr den neuen Job „brennen“ auch aktive Mitarbeiter sollten Begeisterung teilen.
Wie gehen Sie mit Ghosting um?
Betrachten Sie es als unverschĂ€mte Charakterlosigkeit oder reflektieren Sie: Was könnte der Grund dafĂŒr sein? Sollten Strafklauseln eingefĂŒhrt werden, z.b. wenn jemand am 1. Arbeitstag nicht ercheint? Gibt es alternative LösungsansĂ€tze? Oder reflektieren Sie, was im Prozess falsch gelaufen sein könnte?
Liebe Marlene,
hier ein Beispiel (wird ein Post auf LinkedIn), wie es mir als Frau mit 52 auf Stellensuche wieder und wieder passiert, nicht nur mit Headhuntern.
Und ehrlicherweise glaube ich bei den derzeitigen Arbeitsmarktgegebenheiten auch nicht, dass das Ungleichgewicht bei Bewerbern liegt, die pot. AG ghosten.
Eine Strafklausel bei Nicht-Erscheinen am ersten Arbeitstag hatte ich ĂŒbrigens bereits vor 12 Jahren im Arbeitsvertrag stehen…
Post:
„WĂ€re die Stelle spannend fĂŒr Sie? Falls nicht welche Stellen wĂŒrden Sie interessieren?“
Abgesehen von der fehlenden Interpunktion eine klassische Headhunter-Anfrage.
Weder klassisch noch Klasse ist die danach folgende Verfahrensweise.
„Wann kann ich Sie in der kommenden Woche am besten erreichen, damit wir im Detail ĂŒber die og. Stelle sprechen können?“
Wieder fehlende Interpunktion.
Ich mache TerminvorschlĂ€ge fĂŒr die kommende Woche und erhalte keine Antwort.
Zehn Tage spÀter.
„super, wie wĂ€re es morgen um 10:30 Uhr?“
O. k., gerne kurzfristig, auch wenn meine TerminvorschlÀge ignoriert wurden und lÀngst verstrichen sind.
Telefonat beginnt nicht pĂŒnktlich.
Information ĂŒber Position, AG und Gehalt.
„Also die Stelle ist nicht mit x kEUR dotiert, sondern mit x-40 kEUR.“
Aha.
„Sind Sie weiterhin interessiert?“
Unter bestimmten PrÀmissen, ja.
„Ich schlage Sie bei meinem Auftraggeber vor.“
O. k..
Die erste Woche ohne RĂŒckmeldung vergeht. Auch die zweite und die folgenden.
Nach neun Wochen teile ich schriftlich mit, dass ich nicht mehr interessiert sei.
Es ist durchaus nicht meine erste derartige Erfahrung, daher das Posting.
Die Zeitenwende hat uns seit LĂ€ngerem erreicht, lange vor dem 24. 02. 2022, der nicht nur im wirtschaftlichen Zusammenhang gerne fĂŒr alles und jedes als Ausflucht bemĂŒht wird.
Sie bezieht sich insbesondere auch auf den Umgang miteinander.
Im Zusammenhang mit der Rekrutierung spricht man gerne von „Ghosting“.
Ignoranz und mangelnde WertschÀtzung treffen es wohl besser.
Und ganz ehrlich: Von welchem FachkrÀftemange sprechen wir hier?
Hallo Heike,
danke fĂŒr deinen Kommentar. Ich denke, viele HR Mitarbeiter sind auch oft durch die Flut ĂŒberlastet. Heute kann man sich ja mit nur einem Klick bewerben – gefĂŒhlt schauen sich viele die Stellenanzeigen gar nicht richtig an. Wenn man aber bereits in einem Prozess ist, wĂ€re ein zĂŒgiger und offener Prozess schon wĂŒnschenswert – fĂŒr beide Seiten. Denn die Stelle will ja besetzt werden – und ich bin bei dir, auch mit einer 5 vor dem Alter ist man absolut noch eine wertvolle Arbeitskraft. Es wird Zeit aufzuwachen!